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Eine kleine Geschichte von Emotionen, Zielen, Druck und Hoffnung

Samstag 23.01.2010 17.30 Uhr: Die Spieler des Herren 1 des VBC Münchenbuchsee haben sich soeben von ihren Alltagskleidern und -sorgen befreit und marschieren in die Erlimatthalle in Däniken ein. Vor ihnen liegt ein schwieriges Spiel, denn man spielt gegen den NLB-Qualifikationssieger aus der Westgruppe, den TV Schönenwerd. Man kennt sich gut, seit Jahren sind die Begegnungen der beiden Teams ein Leckerbissen für jeden Volleyball-Fan und ein Highlight für die Spieler, denn selten sind so viele Emotionen im Spiel wie in diesen Begegnungen. Das Team aus Münchenbuchsee, welches bereits zweimal in dieser Saison gegen die Solothurner gewinnen konnte, geht der Partie zuversichtlich und gelassen entgegen. "Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen und mit dem Kopf bei der Sache sind, können wir in dieser Liga jeden Gegner schlagen" lässt sich denn auch ein motivierter Berner zitieren. Die Solothurner können dies von sich allerdings auch behaupten, in der laufenden Saison konnten sie bisher gegen jeden Gegner mindestens einmal gewinnen, sie gewannen die Qualifikation souverän und verfügen (auch dank den beiden Neuzuzügen) über ein grosses und schlagkräftiges Kader. Und dennoch, die Spieler von Coach Pedro Carolino machten einen angespannten Eindruck. Die Gastgeber schienen vor heimischem Publikum bereits eine Stunde vor Matchbeginn nervös zu sein. Ob es daran lag, dass sie ausgerechnet in der Aufstiegsrunde das Startspiel gegen Lausanne UC II verloren hatten? Oder war es die Erinnerung an die beiden Spiele gegen den VBC Münchenbuchsee, als Schönenwerd innert 24 Stunden sowohl in Meisterschaft als auch im Cup von den Bernern ihre ersten Saisonniederlagen erlitten? Jedenfalls standen die Schönenwerder Spieler und ihr Coach eigentlich das erste Mal in dieser Saison vor einem wegweisenden Spiel, denn in der Qualifikationsrunde durchliefen sie das Programm ohne Mühe und dementsprechend ohne grossen Druck. Coach Jürg Wüthrich hingegen hatte mit seinen Spielern schon das eine oder andere wichtige, entscheidende und mit grossem Druck verbundene Spiel in dieser Saison zu überstehen. Das verdankt man in erster Linie den guten Leistungen im Schweizer Pokalwettbewerb. Er erinnerte sein Team vor dem Spiel denn auch an die Ausgangslage:"Heute muss Schönenwerd gewinnen - wir dürfen". Dann endlich ging es los, und es begann für die Gastgeber wie sie es sich wohl erhofft hatten: Es lief alles am Schnürchen und der Gegner produzierte zu viele Eigenfehler. Schönenwerd lag während des ersten Satzes meistens in Führung, die Stimmung war gut und die Spieler liessen ihre Anspannung in schönen Angriffen entweichen. Bei den Bernern war eher das Gegenteil zu beobachten. Die vielen Eigenfehler nagtem am Vertrauen und erst recht an der Stimmung im Team. Es lief alles andere als rund, aber das ist man sich gewohnt. Schon oft musste sich das Team aus einer gewissen Lethargie befreien. Der erste Durchgang ging also mit 25:22 an die Solothurner. Der zweite Durchgang bot dann allerdings ein anderes Bild. Diesmal waren die Gäste Herr der Lage, und je länger das Spiel dauerte, desto besser kamen sie ins Spiel. Die Freude und der Spass stiegen, die Stimmung verbesserte sich, das Vertrauen kam zurück. Der zweite Satz ging ebenso deutlich an die Berner wie der erste an die Solothurner (25:22). Der dritte Satz sollte die Vorentscheidung in diesem geladenen Spiel werden, bloss wusste man das zu Beginn noch nicht. Denn anfangs glich das Spielgeschehen demjenigen des zweiten Satzes. Die Schönenwerder liefen stetig einem Rückstand nach und waren in ihren Bemühungen nicht konstant genug, um zu den Bernern aufschliessen zu können. Ausserdem nagte der verlorene Satz ganz offensichtlich an den Nerven einiger Spieler, welche nun ganz und gar nicht mehr locker spielten, sondern die direkte Konfrontation mit dem Gegner suchten. Lange Zeit ging dies nicht gut, erst ganz zum Schluss des Satzes kehrte die Hoffnung noch einmal zurück. Soeben hatten die Berner nämlich zwei Satzbälle vergeben - der zweite dank gütiger Mithilfe des Schiedsrichters - und nur wenig später hatte Schönenwerd selber einen Satzball. Was für ein Wechselbad der Gefühle! Sicherlich war nun jeder Spieler des Heimteams willens den Satz noch zu gewinnen, nachdem man wenig zuvor kaum mehr daran geglaubt hatte. Und mit diesem Satz im Rücken hätte man womöglich das Spiel gewonnen. Hätte... Denn es kam alles ganz anders: Der Satzball konnte nicht genutzt werden, und nur wenige Augenblicke später - Münchenbuchsee hatte zweimal erfolgreich einen Angriff geblockt - war der Satz für die Schönenwerder verloren (25:27). Stefan Nüesch, Aussenangfreifer bei "Buchsi", selbstkritsch wie er ist, haderte noch mit einer nicht ganz perfekten Annahme seinerseits:"Äh, dä Bau mues eifach no 10 cm gnauer zom Passeur". Dabei war er es, der an diesem Tag viel zur Differenz zwischen den beiden Teams beitrug. Mit einer starken Annahmeleistung und einer nahezu perfekten Angriffs-Ausbeute war er der Mann des Spiels. Und so führte er sein Team denn auch durch den vierten und letzten Satz, welcher von "Buchsi" mit 25:20 gewonnen wurde. Dem verwerteten Matchball folgten laute Freudenjauchzer, strahlende Gesichter erhellten die Atmosphäre in der Halle und bei den zufriedenen Trainern hörte man den Stein vom Herzen fallen. Zwei Spiele - zwei Siege. So kann es weiter gehen! Auf der anderen Seite sassen die Solothurner am Boden: unzufrieden, geknickt, enttäuscht. So viel hatte man sich vorgenommen, und nun das. Die zweite Niederlage im zweiten Spiel, ausgerechnet in der Aufstiegsrunde, nach dem souveränen Sieg in der Qualifikation. Leere. So unterschiedlich die Gefühle nach diesem unterhaltsamen Spiel auch waren, eines ist klar: Es sind erst zwei Spiele gespielt, es folgen acht weitere. Es steht ausser Frage, dass Schönenwerd zu seiner alten Stärke finden wird und noch ganz oben mitmischen wird. Ebenso klar ist, dass "Buchsi" noch einen langen, schwierigen Weg vor sich hat. Man darf sich bereits heute auf das Rückspiel der beiden Teams freuen, wenn es wieder um alles geht. Um Freude oder Enttäuschung. Um Sieg oder Niederlage!